Studienreise Teil 2 – 14.10.2019

Auf dem Programm steht heute Promente Salzburg, wo uns die Stellv. Leitung Kathleen Heft um 9.00 Uhr in der Geschäftsstelle direkt am Bahnhof von Salzburg, mitten in der Stadt in Empfang nimmt.

Sie stellt uns die Arbeit von Promente Salzburg, als Mitglied von Promente Austria vor.

Promente Salzburg kümmert sich vor allem um Menschen mit einer psychischen Erkrankung  (Depressionen, Manie, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, Borderline ) und bietet insbesondere in den Bereichen Arbeit (Arbeitsassistenz, Arbeitstraining, Sozialökonomische Betriebe Member etc. ) und junge Menschen (Kinderseelenhilfe, Lernambulanz, Schulassistenz etc.) zahlreiche Projekte und Programme an.

Forensische Klient*innen sind mitten in Salzburg bei Promente Plus durch die gemeinnützige GmbH in einer Wohngruppe und nachsorgend betreut.

Eine klare Trennung der Kostenträger für einzelne Bereiche führte dazu, dass Promente Salzburg sich in weitere gemeinnützige GmbH´s gesplittet hat.

Erst wenn es eine Kostenzusage gibt, beginnt die Zusammenarbeit mit den Klient*innen.

Kostenträger sind unter anderem der Arbeitsmarktservice (AMS), welcher Funktionen eines öffentlich-rechtlichen Arbeitsamt erfüllt und Arbeitskräfte auf offene Stellen vermittelt.  Der AMS ist auf Bundes-, Landes- und Regionalebene tätig. Die Aufsicht darüber hat das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Österreich.

Ein weiterer großer Kostenträger ist die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) welche der größte Pensionsversicherungsträger sowie der größte Sozialversicherungsträger Österreichs ist. Die PVA fungiert auf Bundesebene.

Das Land ist weiterer Kostenträger.

Promente bietet eine telefonische Krisenversorgung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, welche 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche erreichbar ist. Es werden Termine hierüber vermittelt. Nach Absprache mit den Betroffenen wird bei Bedarf die Polizei/ Rettung hinzugezogen.

 

Für aufsuchende Dienste ist der Psychiatrische Dienst zuständig, welcher nicht zu Promente Salzburg gehört.

Promente kooperiert aufgrund des etablierten und weitreichenden Arbeitsangebotes intensiv mit Unternehmen. Einmal im Jahr werden Unternehmen für die besonders gute und/oder langjährige Zusammenarbeit ausgezeichnet.

 

Die Vernetzung erstreckt sich darüber hinaus auch auf andere Vereine, Schulen, die Telefonseelsorge, ein Peercenter, einen Angehörigenverein und vor allem auf die Klinik.

Intern funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut durch kurze Wege, Einführungstage für neue Mitarbeitende, das Angebot an die Mitarbeitenden, die Krisenversorgung in Anspruch zu nehmen.

Mitarbeitende sind zu 80% Psychologen. Fachärzte sind in Salzburg rar, werden aber zur Konsultation hinzugezogen.

Promente Austria hat 2.200 Mitarbeitende, wovon 1.400 alleine in Oberösterreich tätig sind. Promente Salzburg hat in dieser Region fast ein Alleinstellungsmerkmal, da sich andere Organisationen nicht auf den Bereich psychisch erkrankter Menschen spezialisiert haben.

 

Das Arbeitstrainingszentrum (ATZ) funktioniert relativ adäquat zu betrieblichen Maßnahmen im Rheinland. Ein einjähriges strukturiertes Trainingsprogramm soll dazu führen, Menschen mit einer psychischen Erkrankung auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.

In 60% der Fälle ist dies zuletzt geglückt. Das ATZ legt viel Wert auf den Praxisbezug der Maßnahmen.

 

Salzburg

Erprobt werden können alle gewünschten Bereiche, wobei im ATZ in Siezenheim Arbeitserprobungen im Büro, in der Tischlerei, der Produktion oder in der Näherei angeboten werden.

In Außenstellen können  außerdem Beschäftigungen in Kantinen- und Caféhausbetrieben oder die Arbeit in einem Sparmarkt erprobt werden. Die Trainer*innen sind Psychologen, die individuelle Ziele besprechen und die Teilnehmenden begleiten. Fachliche Trainer*innen sind Profis in ihrem Beruf, also beispielsweise Schneider*innen, Tischler*innen etc. Relativ hochschwellig ist das Projekt, wenn es um die Arbeitszeit der Teilnehmenden geht, da diese bei 38 Wochenstunden liegt, Pausen, Termine bei Ämtern etc. sind hier jedoch schon mitberücksichtigt.

Eine Evaluation nimmt Promente Salzburg intern vor, externe Evaluation findet eher nicht statt.

Ein Anliegen von Promente Salzburg ist es, mehr Präventionsarbeit an Schulen zu leisten und Antistigmaarbeit. Zuletzt konnte mit dem Projekt „Erste Hilfe für die Seele“ eine größere Kampagne initiiert werden.

Präsentation_Pro_Mente_Salzburg_2019_10_16

Fazit unseres Einblicks in die Arbeit von Promente Salzburg, bzw. in das österreichische Versorgungssystem für Menschen mit einer psychischen Erkrankung: Das Thema seelische Erkrankungen ist in Österreich ein Randthema, welches weitere und intensive Antistigmaarbeit erfordert.

Projekte sind jeweils für ein Jahr befristet und müssen dann neu beantragt werden. Promente Salzburg leistet einen großen Teil dieser Arbeit und ist bestens vernetzt. Multiprofessionelle Teams bestehen hier vor allem aus Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeitern. Ambulante Versorgung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung wird eher seltener und wenn durch Kliniken angeboten, die Trennung, wer welche Leistungen zu erbringen hat, sind strikt.

Peerarbeit spielt in Österreich eine untergeordnete Rolle.

Vielen Dank für den eindrucksvollen Arbeit in die Arbeit von Promente Salzburg und das leckere Mittagessen in der Postkantine.