Studienreise Teil 3 – 15.10.2019

Bei Šent Slovenia werden wir freundlichst vom geschäftsführenden Vorstand Naçe Kovac und seinen Kolleg*innen aus Projekten, Peers und Angehörigen empfangen. Naçe Kovac berichtet, dass er sich sehr über den Besuch der deutschen Reisegruppe freut, da Slowenien als kleines mitteleuropäisches Land ist ganz besonders an Vernetzung und daraus resultierenden Möglichkeiten interessiert ist.

Šent wurde 1993 gegründet, ist eine nicht staatliche Non-Profit-Organisation im Bereich psychische Gesundheit, hat ca. 100 hauptamtliche und 250 ehrenamtliche Mitarbeitende, die ca. 3.200 Klient*innen unterstützen und begleiten. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden sind vorrangig Diplom Sozialarbeiter*innen oder Pädagog*innen.

Šent implementiert vor allem lokale Anlaufstellen für Klient*innen, um hierdurch niederschwellige Angebote im gesamten Land vorzuhalten. Šent hat slowenienweit 30 Anlaufstellen, Wohngruppen, Programme. Sie folgen dabei einem ethischen und professionellen Ansatz, der von Solidarität und Respekt geprägt ist.

Šent beklagt in Slowenien einige strukturelle Probleme. Zu diesen gehören der Zugang zum Hilfesystem sowie die Zeit, die meist verstreicht, bis ein*e Nutzer*in in das Hilfesystem gelangt.

Zudem ist Šent zwar an einer guten Vernetzung interessiert, findet aber zu wenig Kooperationspartner. Ein weiteres Thema ist die Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen.

Das Angebot von Šent bezieht sich insbesondere auf die Themen Arbeit und Tagesstruktur.

Die zugehende ambulante Versorgung steckt noch in den Kinderschuhen, soll aber weiter ausgebaut werden.

Finanziert werden die Angebote durch den Staat, zu großen Teilen aus der Lotterieeitere Geldgeber wie die Projektförderung und Mitgliederbeiträge ergänzen die Förderung.

Die Day Center ähneln den Tagesstätten in Deutschland sind niederschwellig und für jeden Menschen, der eine psychische Erkrankung hat, kostenfrei zugänglich.

Ein Arbeitsbereich von Šent bemüht sich um Antistigmarbeit und präventive Services und um kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, um das „Randthema“ psychische Erkrankungen in den Vordergrund zu bringen.

Selbstverständlich erfolgt die Arbeit von Šent trialogisch, weshalb die Präsidentin des Betroffenenrats und ein Angehöriger uns auch ihre Arbeitsbereiche vorstellen.

Peers beraten und unterstützen sich gegenseitig. Ein Kreis von 5 Betroffenen ist Anlaufstelle für Vorschläge, die auch an den Vorstand von Šent weitergeleitet werden können.

Die Angehörigen „Friends, Family and Parents“ sind gut organisiert und haben ein 4 stufiges strukturiertes Programm, welches sie durchlaufen. Vernetzt sind sie in EUFAMI mit 21 weiteren europäischen Staaten, besuchen sich gegenseitig und profitieren von den Erzählungen und Erfahrungen anderer betroffener Eltern, Freunde, Angehöriger.

Neben den Präsentationen schauen wir uns eine Bewohnergruppe an.

Den Tag rundet die Stadtrundführung durch Europas grüne Hauptstadt Lubljana ab. Hier können wir bewundern, wie schön eine autofreie Innenstadt aussehen kann.

Das heutige Fazit kommt von unseren mitreisenden Genesungsbegleiter*innen/Peers:

„Die Nicht-Beachtung der WHO-Erklärung zur Integration psychisch behinderter Menschen finden wir perfide.“

„Besonders interessant fanden wir die Angehörigenarbeit. Hier wurde mit Projekten schon einiges erreicht. Dennoch zeigen sich Schwierigkeiten, die Angehörigen langfristig in Projekte einzubinden.“

„Der positive und selbstverständliche Einsatz von Peers in Ljubljana ist beeindruckend.“

Heute wird eine Präsentation angehängt, welche nochmals einen kurzen Überblick über die Arbeit von Šent darstellt.

Predstavitev_ Social Advocacy Programme SENT_2019_ANG

Herzlichen Dank an alle, die uns diesen Tag so interessant gestaltet haben!

 

Präsentation Sent